Margit Hinterreiter

Medienberichte

Interview us dr Gondl - Ländle TV
https://www.vol.at/us-dr-gondl-mit-lerncoach-margit-hinterreiter/6277912

https://www.youtube.com/watch?v=CYEdowsjNUo

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Erfolgreiche Menschen haben einen Plan

Mental Was heisst richtig lernen?
Wie funktioniert es? Wie bringe ich
mein Gehirn in Topform? Wie können Eltern
ihre Kinden in der Berufswahl am besten
unterstützen? Mentalcoach Magit Hinterreter
erklärt im «Volksblatt»-Gespräch, wie die
Selbstmotivation und die Mnemotechniken am
besten funktionieren.
VON MARIO HEEB, 20.September 2018

Volksblatt: Margit Hinterreiter, wenn Sie morgens
erwachen, was sind Ihre ersten Gedanken?

Margit Hinterreiter: Das ist eine interessante Frage.
Wenn ich aufwache, schaue ich zum Fenster raus und sage mir:
«Heute ist ein guter Tag, oder heute ist ein erfolgreicher Tag!»,
egal, ob die Sonne scheint oder nicht.

Und mit welchen Gedanken beenden Sie den Tag?
Indem ich ihn nochmals Revue passieren lasse und dankbar bin, für alles, was ich geschafft habe oder erleben durfte, selbst, wenn der Tag mal nicht so positiv verlief, gibt es immer etwas was gut war, an das ich mich erinnere.

Folgende Weisheit wird Buddha zugeschrieben: «Wir sind, was wir denken. Alles was wir sind ent-steht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.» Kann ich wirklich die Welt verändern mit meinen Gedanken? Oder ist schon etwas Humbug mit dabei?
Ich denke, dass jeder von uns etwas dazu beitragen kann, die Welt zu verändern. Damit das gelingt, ist es wichtig, erstmals bei mir selbst anzufangen. Wenn ich auf das Gute in meinem Umfeld schau-en kann und mit negativen Erlebnissen positiver umgehen gelernt habe, dann kann ich für mich und auch andere in dieser Welt sehr viel verändern.

Sie sind ausgebildet als Mental- und Lerncoach. Welches Werkzeug geben Sie den jungen Menschen mit auf den Weg der Berufswahl?
Da könnte ich sehr viel dazu sagen, doch das Wichtigste, was ich den Menschen mitgeben möchte ist, dass sie das tun sollen, wofür sie begeistert sind, denn nur mit Begeisterung finde ich auch die richtige Motivation, mich jeden Tag aufs Neue auf den Weg zu machen, Neues zu lernen und mich weiter zu bilden.

Sie begleiten junge Menschen während der Berufssuche aber auch in der Lehrzeit. Welches sind meist die grössten Knacknüsse?
Für manche ist der Besuch der Berufsschule eine grosse Hürde, da sie zum Teil in ihrer Schullaufbahn schon schlechte Erfahrungen gemacht haben. Ich versuche dann in meinen Weiterbildungsangebo-ten auf diese Themen einzugehen und zeige den jungen Menschen, wie sie mit alten negativen Er-fahrungen umgehen und einen positiveren Blick auf das Lernen richten können. Dies geschieht bei-spielsweise durch lustige Lern- und Merktechniken, die die Jugendlichen sehr gerne umsetzen.

Es wird immer von verschiedenen Lerntypen gesprochen. Was heisst das?
Ich spreche in meinen Weiterbildungen meist von drei Lerntypen, dem visuellen, der alles mit den Augen erfassen will und sich beim Lernen vieles visualisiert, dem auditiven, der über das Sprechen und Hören lernt und dem kinästhetischen Lerntyp, der alles ausprobieren beziehungsweise begrei-fen muss Es gibt aber auch noch genauere Unterscheidungen von Lerntypen, wie beispielsweise die vom deutschen Wissenschaftler Frederic Vester, der vier Lerntypen beschreibt (optisch/visuell: Ler-nen durch Sehen, auditiv/akustisch: Lernen durch Zuhören, haptisch: Lernen durch Tun beziehungs-weise Handeln, kognitiv: Lernen durch Erkennen/Red.) oder die vier bipolaren Lerntypen nach dem amerikanischen Wissenschaftler Richard Felder (aktiv-reflektiv, sensorisch-intuitiv, visuell-verbal, sequenziell-global/Red.). Aber ganz egal, zu welchem Lerntyp man sich selber zählt, wichtig ist die Kombination aller Lerntypen beim Lernen, damit ich viele Verknüpfungsmöglichkeiten habe und mehrere Zugänge um das Gelernte wieder abzurufen.

Welche Tricks gibt es, wie man Neues schneller ins Hirn reinpauken kann und wie man die Infos je-derzeit im Langzeitgedächtnis abrufen kann?
Mnemotechniken auch Eselsbrücken genannt, sind ein gutes Hilfsmittel. Hier geht es darum, sich Wörter oder Abläufe zu merken, indem man sie in eine selbsterfundene Geschichte einbaut. Selbst grössere Zahlen kann man sich so verknüpfen. Zum Beispiel das Jahr 1774 (Gründung des Schulwe-sens von Maria Theresia): «Ein siebenundsiebzig jähriger Mann kauft vier neue Schulbücher!» (dies könnte eine mögliche Kombination sein. Wenn ich mir nun den 77-jährigen Mann vorstelle, wie er in der Bücherei vier neue Schulbücher kauft und vielleicht noch, wie verblüfft die Verkäuferin drein-schaut, dann wird das Ganze auch noch witzig und so kann ich mir die Jahreszahl besser merken. Gedächtnisweltmeister arbeiten sehr stark mit dieser Methode. Aber ganz egal, was man lernt, wenn es mit einer Packung Humor begleitet wird, dann geht das Lernen und Merken drei- bis fünf-mal schneller und wird auch so im Langzeitgedächtnis abgespeichert. Alles was wir mit guten Emotionen aufnehmen, macht uns bei der Erinnerung mehr Freude. Eine wichtige Sache ist auch noch das beachten der Reihenfolge der Lernthemen. Am besten beginnt man mit etwas Leichtem um warm zu werden, dann macht man weiter mit etwas Schwererem und zum Schluss wieder etwas Leichtes, damit das Gehirn auf Lernerfolg eingestellt wird. Der Griff zu den Lernunterlagen wird beim nächsten Mal auch schon leichter gehen, denn die letzte Erinnerung war eine positive.

Damit die Berufswahl erfolgreich ist, müssen die Jugendlichen von ihren Eltern unterstützt werden. Was ist deren Aufgabe?
Ich sehe, dass viele junge Menschen noch nicht so richtig wissen, was sie einmal werden wollen. Deshalb denke ich, dass die Eltern ihren Kindern immer wieder aufzeigen, was sie gerne tun, womit sie sich häufig beschäftigen und wo ihre Interessen liegen. Hier zeigen sich schon einige Stärken, die sich in verschiedensten Berufen wiederfinden. Sie sollen die Jugendlichen recherchieren und auch Inserate in den Zeitungen lesen lassen, damit sich die Perspektiven ihrer Kinder erweitern und sie sich auch mit Berufen beschäftigen, von denen sie vorher noch nichts gehört haben. So finden sie besser heraus, was ihnen gefallen könnte. Die Eltern sollten ihre Kinder auch schon in der Schulzeit immer wieder schnuppern schicken, damit sie ihre Berufswünsche in der Praxis erleben und sich dadurch besser entscheiden können.
Logisch, junge Menschen haben nicht nur das Lernen oder die Lebensplanung im Kopf. Dennoch ein Plan, in dem das Lernen Platz hat, ist wichtig, um weiterzukommen. Wie kann eine solche Auflistung aussehen?
Einen Lernplan zu erstellen ist ein wichtiger Aspekt in meinen Weiterbildungen. Die Jugendlichen lernen sich alles zu notieren, was sie den ganzen Tag, die ganze Woche zu tun haben. Dabei steht nicht nur die Arbeits- und Lernzeit im Plan, es ist sehr wichtig, dass auch Treffen mit Freunden, Sport, Hobbies, Freizeit, Essen und Schlafen, sowie Zeit für Computer eingetragen werden. Es gibt nur eine einzige Regel: «Es muss mindestens eine Stunde für das Lernen pro Tag eingetragen sein und ganz wichtig, es gibt einen lernfreien Tag.» Die Jugendlichen bekommen so einen guten Blick auf ihren Alltag und lernen sich selber ernst zu nehmen und sich an ihren eigenen Plan zu halten, denn erfolgreiche Menschen haben einen Plan!

Spielt es eine Rolle, zu welcher Tageszeit Lernen auf dem Plan steht oder die Freizeit?
Günstig ist beispielsweise, wenn sie die Planung so vornehmen, dass das Lernen und die Zeit am PC nicht unmittelbar beieinander liegen, denn durch den PC wird das Gehirn sehr beansprucht und die Augen werden müde. Spiele ich meine Spiele nun vor dem Lernen, dann habe ich schon sehr viel Konzentration verbraucht.
Spiele ich unmittelbar nach dem Lernen, überlagere ich mit dem Computerspiel, das eben Gelernte und mein Gehirn beschäftigt sich beim Verknüpfen zuerst mit dem Spiel anstatt mit dem Lernstoff. So geht eben auch wieder viel verloren. Besser wäre nach dem Lernen etwas mit Bewegung oder auch ein Powernapping. Denn das Gelernte wird nur im Schlaf abgespeichert, verknüpft, strukturiert, sortiert, mit altem Wissen assoziiert und im Langzeitgedächtnis verankert. Deshalb ist ein ausgewogener Schlaf auch sehr wichtig. Manche Jugendliche machen auch gute Erfahrungen, wenn sie ihren Fernseher oder Computer während der Nacht nicht auf Standby haben, sondern ausschalten. Sie haben mir erzählt, dass sie gemerkt hätten, dass sie viel besser schlafen würden. Also einfach mal ausprobieren.

Ihre Tipps gelten ja nicht nur für Jugendliche, die eine Lehre absolvieren, sondern auch für Jugendli-che, die eine Schule besuchen.
Klar, meine Tipps können Schüler wie auch Lehrlinge anwenden. Ich gebe nicht nur in Firmen, wie beispielsweise der Firma Rauch Fruchtsäfte in Rankweil Workshops für die Lehrlinge, sondern kom-me auch gerne in Schulen.